Global Assemblages im neuen Konstitutionalismus. Rechtstheoretische Probleme der neo-gramscianischen internationalen politischen Ökonomie (IPÖ)

Author:Kolja Moeller
Pages:44-56
SUMMARY

Die These vom neoliberalen Konstitutionalismus, den die neo-gramscianische internationale politische Ökonomie (IPÖ) in internationalen Institutionen wie der WTO oder dem IWF ausmacht, ist bisher durch rechtstheoretische Defizite und ein "topdown"-Verständnis globaler Ordnungsbildung gekennzeichnet. Wird die gramscianische Hegemonietheorie jedoch für rechtspluralistische Überlegungen geöffnet,... (see full summary)

 
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44 ANCILLAIURIS(anci.ch)2008:44Aufsatz
Zusammenfassung
DieThesevomneoliberalenKonstitutionalismus,dendie
neogramscianischeinternationalepolitischeÖkonomie(IPÖ)in
internationalenInstitutionenwiederWTOoderdemIWFaus
macht,istbisherdurchrechtstheoretischeDefiziteundein„top
down“VerständnisglobalerOrdnungsbildunggekennzeichnet.
WirddiegramscianischeHegemonietheoriejedochfürrechtsplu
ralistischeÜberlegungengeöffnet,kannderKollisionjuridischer
AssemblagesimglobalenMaßstabRechnunggetragenwerden:
DasglobaleRechtistsowohleineigenständigesunddiversifizier
tesTerrainalsauchBestandteilglobalerMachtverhältnisse.An
sätzefüreinenprogressivenKonstitutionalismusmüsstendiesen
Doppelcharakterberücksichtigen.
1. Einleitung
EinekritischeTheorie,diedasVerhältnisvonglobalem
RechtundglobalenMachtundHerrschaftsverhältnissen
genauerbestimmenkönnte,lässtaufsichwarten.Bisher
fehlensowohleingesellschaftstheoretischfundiertesVer
ständnisglobalerKonstitutionalisierungundJuridifizie
rungalsauchdiejenigenkritischenImpulse,dieSpielräu
mefürpolitischesHandelnimglobalenMaßstab
erschließenkönnten.Dervielleichtgegenwärtigavancierte
steBeitragzueinerkritischenTheorieglobalerMachtund
HerrschaftsverhältnissestelltderNeoGramscianismusin
derinternationalenpolitischenÖkonomie(IPÖ)1dar,der
aufdievielfältigenPotentialederHegemonietheoriedes
italienischenKommunistenAntonioGramscizurückgreift,
umdieOrdnungsbildungimglobalenMaßstabzuerfassen.
GleichsamleidendieBeiträgedesNeoGramscianismusan
rechtstheoretischenDefiziten,wodurchsieauchAn
1 ZurÜbersicht:AndreasBieler/AdamMorton,NeoGramscianische
Perspe ktive n,in:SiegfriedSchieder,ManuelaSpindler(Hg.),
TheorienderInternationalenBeziehungen(Opladen2001),337–
362;HansJürgenBieling,DieKonstitutionalisierungderWelt wir t
schaftalsProzesshegemonialerVerstaatlichung,in:SonjaBuckel/
AndreasFischerLescano(Hg.),HegemoniegepanzertmitZwang
ZivilgesellschaftundPolitikimStaatsverständnisAntonio
Gramscis(BadenBaden2007),143–160;HansJürgenBieling/Frank
Deppe,NeoGramscianismusinderinternationalenpolitischen
Ökonomie,in:DasArgument38(2006),729–740;DorotheeBohle,
Neogramscianismus,in:HansJürgenBieling/MarikaLerch(Hg.),
TheoriendereuropäischenIntegration(Wiesbaden2005),197–221.
knüpfungspunktefür(rechts)politischeHandlungsstrate
gienverspielen.
DerHauptgegenstandderneogramscianischenIPÖist
dieHerausbildunginterbzw.transnationalerSozialund
ProduktionsbeziehungensowieinternationalerInstitutio
nen.2DabeirichtetsieihrenBlickaufdasZusammenspiel
vonmateriellenKapazitäten,InstitutionenundDiskursen,
alsoaufeineGesamtheitvongesellschaftlichenReproduk
tionsmusternundMachtverhältnissen3undgrenztsichso
wohlvonstaatsalsauchvonökonomiezentriertenErklä
rungsansätzenab,dieGlobalisierungsphänomeneeinseitig
aufstaatlicheMachtkalküleoderaufökonomischeIntegra
tionsprozessezurückführen.IndenjüngerenPublikatio
nenderneogramscianischenIPÖwirddieThesevonei
nem„neuenKonstitutionalismus“vertreten,derdie
gewachseneRolleinterbzw.transnationalerInstitutionen
undihrerrechtlichpolitischenDimensionerfassensoll.4
ImWesentlichenwirddabeidavonausgegangen,dassein
„disziplinierenderNeoliberalismus“denzunehmendbe
stimmendenModustransnationalerVergesellschaftung
darstelleunddenimNationalstaatregulierten„embedded
liberalism“ablöse.5DerdisziplinierendeNeoliberalismus
seidurchdieKonstitutionalisierungeiner„markt und
2RobertW.Cox,WeltordnungundHegemonieGrundlagender
„InternationalenPolitisc henÖkonomie“,in:StudienderFor
schungsgruppeEuropäischeGemeinschaften(FEG)(Hg.),Studie
Nr.11(1998),61.
3Ibid.,44;sieheaußerdemHansJürgenBieling,DieKonstitutionali
sierungderWelt wir tsc ha ftalsProzesshegemonialerVe rst aat li
chung,in:SonjaBuckel/AndreasFischerLescano(Hg.),
HegemoniegepanzertmitZwangZivilgesellschaftundPolitik
imStaatsverständnisAntonioGramscis(BadenBaden2007),143–
160,145.
4StephenGill,TheoretischeGrundlageneinerneogramscianischen
AnalysedereuropäischenIntegration,in:HansJürgenBieling/
JochenSteinhilber(Hg.),DieKonfigurationEuropasDimensio
neneinerkritischenIntegrationstheorie(Münster2000),43;zum
„neuenKonstitutionalismus“sieheauch:UlrichBrand,Orderand
regulation:GlobalGovernanceasahegemonicdiscourseofinter
nationalpolitics?,in:ReviewofInternationalPolitica lEconomy
12:1(2005),155–176,163;ders.,GegenhegemoniePerspektiven
globalisierungskritischerStrategien(Hamburg2005),54;Stephen
Gill,Constitutionalizinginequalityandtheclashofglobalizations,
in:Internationalstudiesreview4(2002),47–65;ders.,Powerand
resistanceinthenewworldorder(Houndmills2003);ders.,Über
machtundÜberwach ungsgewa ltimglobalenKapitalismus,in:
DasArgument,249(2003),21–33.
GlobalAssemblagesimneuenKonstitutionalismus
RechtstheoretischeProblemederneogramscianischeninternationalenpolitischenÖkonomie(IPÖ)
KoljaMöller

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