Die gesamtnordischen juristischen Zeitschriften

Author:Lars Björne
Position:Prof. Dr. jur. Universität Turku
Pages:52-55
 
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Das juristische Zeitschriftenwesen im Norden ist in Dänemark und auch in Norwegen erheblich älter als das in Schweden und in Finnland1. Einige juristische Periodika Dänemarks erschienen schon am Ende des 18. Jahrhunderts, während die frühesten Zeitschriften in Schweden und in Finnland 1830 bzw. 1861 gegründet worden sind. Für das frühere Erscheinen der Periodika war die Entstehung eines Berufsstandes ausgebildeter Juristen in den westnordischen Ländern wahrscheinlich von entscheidender Bedeutung.

Die Frühgeschichte der nordischen juristischen Periodika bis etwa 1850 wurde von Zeitschriften geprägt, die von einer oder einigen Personen herausgegeben wurden; die Zeitschriften waren von diesen Gründern völlig abhängig und gingen demzufolge auch sofort ein, wenn die Herausgeber nicht mehr fortsetzen konnten oder wollten. Am Ende der Gründungsperiode um 1850 war die Lage recht trist. Außer einigen Entscheidungssammlungen gab es weder in Dänemark noch in Norwegen juristische Periodika, während man in Schweden das von Kjell Åke Modéer in seinem Beitrag näher behandelte Schmidtsche Juridiskt Arkif hatte. Das Eingehen mancher Zeitschrift schon nach kurzer Zeit deutet darauf hin, dass die Herausgeber in der Gründungszeit mit mehreren Problemen zu kämpfen hatten. Mehrere kurzlebige Periodika gingen wegen Mangels an Material oder an Lesern ein. Ökonomische Schwierigkeiten waren ja natürlich ein Dauerproblem, womit auch die Zeitschriften im 20. Jahrhundert zu kämpfen hatten.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dann die ersten nationalen juristischen Vereine gegründet, und diese Vereine haben bald eigene Zeitschriften veröffentlicht; später waren die nationalen Anwaltsvereine in dieser Hinsicht besonders aktiv. In einigen Jahrzehnten hatte sich die Lage völlig verändert, und die ersten noch heute existierenden Zeitschriften wurden gegründet. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gab es in allen nordischen Ländern so viele Juristen, dass erfolgreiche Fachzeitschriften möglich geworden waren.

Es bleibt als allgemeiner Eindruck von den Zielsetzungen der frühen nordischen juristischen Zeitschriften, dass sie vor allem praktisch angelegt waren. Sie hatten oft die Hauptaufgabe, Auskunft über die Rechtsprechung zu vermitteln, obwohl es ihnen nicht an rechtswissenschaftlichen Artikeln fehlte. Die verhältnismäßig geringe Zahl ausgebildeter Juristen und der somit kleine Kreis möglicher Abonnenten hat eine überwiegend praktische Ausrichtung erzwungen. Eine Zeitschrift nur für das Publikum akademischer Lehrkräfte herauszugeben war ökonomisch nicht machbar; um so weniger Chancen hatte eine Zeitschrift mit einer bestimmten rechtswissenschaftlichen Position.

Ein neues politisches Klima war eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung gesamtnordischer Zeitschriften. Nach 1814 ersetzte eine skandinavisch orientierte Gesinnung erstaunlich schnell die alte Erbfeindschaft zwischen den nordischen Völkern. Der Skandinavismus fing als Studentenbewegung an, wurde aber bald eine politische Realität, die freilich im Jahre 1864 versagte, als Dänemark allein den Krieg mit Preußen und Österreich führen musste. Trotz des Zusammenbruchs des sicherheitspolitischen Skandinavismus blieb die Annäherung der nordischen Staaten nicht ohne gesellschaftliche und kulturelle Folgen, insbesondere auf den Gebieten der Gesetsgebungszusammenarbeit und der Rechtswissenschaft.

Der Skandinavismus war insbesondere für die Dänen wichtig. Nach fast zwei Jahrzehnten gab es in Dänemark in den Jahren 1863-1867 wieder eine juristische Zeitschrift, Tidsskrift for Retsvæsen (Zeitschrift für das Rechtswesen); die erste mit einem klaren politischen und auch rechtspolitischen Profil; wahrscheinlich wegen dieses Profils haben die Professoren der Kopenhagener juristischen Fakultät keine Beiträge für die Zeitschrift geliefert. Die Zeitschrift vertrat eine deutlich nationalliberale Linie und den Skandinavismus, und die Bedeutung Schleswigs als eine dänische Provinz wurde kräftig hervorgehoben. Mit der Gründung der noch heute bestehenden Ugeskrift for Retsvæsen (Wochenschrift für das Rechtswesen) ging Tidsskrift for Retsvæsen ein, und das politische Profil wurde in der neuen Zeitschrift stillschweigend vergessen.

Verbesserte Verkehrsverbindungen waren auch eine notwendige Voraussetzung für die nordische Zusammenarbeit. Die Nordischen Juristentagungen seit 1872 hat eine gesamtnordische Literatur und auch das gesamtnordische Zeitschriftenwesen gefördert. Als erste gesamtnordische...

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